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Fleischkonsum: Das solltest Du wissen!

Nicht nur Veganer sehen Fleischkonsum kritisch. Auch immer mehr Fleischesser plagen Gewissensbisse. Denn ein schlechter ökologischer Fußabdruck und Tierschutz sprechen gegen den Verzehr.

Fleischkonsum
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Anfang des 19. Jahrhunderts lag der Fleischkonsum weltweit bei zehn Kilogramm pro Kopf und Jahr. Seitdem steigt er kontinuierlich: In den 1960er-Jahren auf mehr als das Doppelte. Heute sind wir bei 40 Kilo pro Kopf angekommen. Die globale Fleischproduktion hat sich somit in den letzten 60 Jahren vervierfacht, Tendenz weiterhin steigend, so die Zahlen von Global 2000. Damit einher gehen einige problematische Entwicklungen: Fleisch hat einen vergleichsweise schlechten ökologischen Fußabdruck, weil schon für das Futtermittel eine Menge Wasser und Anbauflächen benötigt werden.

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Faktor Futtermittel

„Wenn sich Tiere von Gräsern ernähren, die für den menschlichen Magen nicht verwertbar sind, ist das sinnvoll. Doch nur ein kleiner Teil (etwa 15 – 20 Prozent) der österreichischen Rinder darf auch auf Weiden grasen. Problematisch ist vor allem die Abhängigkeit von Futtermitteln, die in Österreich nicht in der benötigten Menge angebaut werden können. Österreich ist zwar mit rund 44.000 Hektar das fünftgrößte Sojaanbauland der Europäischen Union, doch diese Menge reicht bei Weitem nicht aus, um den Hunger der heimischen Nutztiere zu stillen. So werden jährlich zwischen 550.000 und 600.000 Tonnen gentechnisch verändertes Soja importiert (also rund 70 Kilogramm pro Österreicher*In), für das zum Großteil südamerikanischer Regenwald abgeholzt werden musste“, bringt es Global 2000 auf den Punkt.

Was Viele nicht wissen: Sogar das AMA Gütesiegel lässt gentechnisch verändertes Futtermittel zu. Die gute Nachricht: An einer Alternative wird bereits geforscht. In einem neuen Forschungsprojekt mit dem Titel „FLOY“ untersucht Global 2000 gemeinsam mit Forschungspartnern, ob sich die Larven der schwarzen Soldatenfliege als regionales Futtermittel für Hühner, Schweine und Fische eignen. Ziel des Projekts sei es, im Sinne der Kreislaufwirtschaft ein nachhaltiges Eiweiß-Futtermittel in Österreich zu produzieren. Noch befindet sich das Projekt in der Testphase, mit dem neuen Futter, könnte der ökologische Fußabdruck von Fleisch aber deutlich verbessert werden.

Von wegen artgerecht

Ein weiteres Argument gegen den Fleischkonsum ist natürlich der Tierschutz. Denn Massentierhaltung ist nach wie vor eine gängige Haltungsform. Zwar versprechen verschiedene Gütesiegel eine artgerechte Haltung, aber dass selbst darauf nicht immer Verlass ist, zeigt ein Fall der kürzlich in Baden-Württemberg aufgedeckt wurde. Hier hat ein Schweinemäster mit Siegel von der Initiative Tierwohl seine Tiere verwahrlosen lassen und schwer gequält (Option berichtete).

Zwar mag das nicht die Regel sein, doch gerade bei sehr billigen Angeboten ist besonders auf die Herkunft des Fleisches zu achten. „Die Dosis macht das Gift, heißt es, und hinsichtlich ökologischen Fußabdruck gilt das wohl auch hier. Der übermäßige Fleischkonsum bringt Probleme in der Ökologie und in der Gesundheit der Menschen. Beim Tierwohl sieht das anders aus. Auch wenige Tiere können schlecht gehalten werden. Daher braucht es in der Nutztierhaltung eine neue Perspektive bzw. einen anderen Blickwinkel. Nicht der Preis und die Menge an Fleisch dürfen als Maß herangezogen werden, sondern das Wohl der Tiere muss an erster Stelle stehen. Und hier muss das Wohl der Tiere so bemessen werden, dass es den Bedürfnissen der Tiere entspricht. Jene Bedürfnisse, die ein Tier von Natur aus hat – Urbedürfnisse“, sagt Biobauer Norbert Hackl, Inhaber des Biohofs Labonca.

Echte Tierrechte braucht das Land

Und obwohl Österreich eines der strengsten Tierschutzgesetze in Europa hat, sei der Verbesserungsbedarf noch enorm, ist Hackl überzeugt: „Das Tierschutzgesetz und die Nutztierverordnung widersprechen einander stark. Laut Tierschutzgesetz soll jedes Tier „artgerecht“ gehalten werden. Laut Nutztierverordnung sind Standards erlaubt, die mit artgerechter Tierhaltung nichts zu tun haben, sondern rein wirtschaftliche Aspekte beinhalten: Vollspaltenböden statt Freiland, 20 Wochen Einzelkäfighaltung der Zuchtschweine pro Jahr statt Gruppenhaltung und Abferkelung im Freien sind Beispiele.

Entweder schafft es die Gesellschaft sich dem bewusst zu werden, dass unser Fleischkonsum sowie Fleisch aus der österreichischen Massentierhaltung für enormes Tierleid steht und auch für Menschen ungesund ist (Antibiotikaresistenzen usw.) oder der Gesetzgeber reguliert und gibt vor, wie Tiere „tatsächlich artgerecht“ gehalten werden müssen. Dann kostet Fleisch eben deutlich mehr. Deswegen wird niemand verhungern.“ Grundsätzlich ist der Schweinebauer, der 2010 als erster Bauer den Österreichischen Tierschutzpreis gewinnen konnte, überzeugt: „Fleisch muss zur Beilage am Teller werden!“ Oder wir essen künftig nur noch Kunstfleisch.

Welche Folgen unser Fleischkonsum und die Industrie auf die Tiere hat, berichtet der Verein gegen Tierfabriken VGT.

Foto/Video: Shutterstock.

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Geschrieben von Karin Bornett

Freie Journalistin und Bloggerin in der Option Community. Technikaffines Labradorfrauchen mit Leidenschaft für Dorfidylle und Faible für urbane Kultur.
www.karinbornett.at

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