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Echte Bio-Hotels

Der Einfallsreichtum schwarzer Schafe ist bekanntermaßen groß. Für den umweltbewussten Konsumenten, der sich grünen Gewissens einen Urlaub gönnen möchte, heißt das: Ganz genau hinsehen!

Echte Bio-Hotels
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Im Alltag hätte man das mit der nachhaltigen Lebensweise halbwegs im Griff: Man fährt mit den Öffis zur Arbeit, trennt sorgsam seinen Müll, setzt auf eine Hackschnitzelheizung, kleidet sich Fairtrade in Biobaumwolle und für den Einkauf geht man in den Biomarkt. Im Öko-Urlaub bleibt man in Österreich, weil bekanntermaßen eine weite Anreise keinen schlanken CO2-Fußabdruck macht.

Um auch beim Aufenthalt seine private Ökobilanz nicht zu verschlechtern, braucht man nur noch ein passendes Hotel und Tipps fürs Essen gehen. Aber woher nehmen? Wir haben für Sie heimische Beherberger und Gastronomiebetriebe unter die Lupe genommen, die sich – in welcher Form auch immer – Nachhaltigkeit auf die Fahnen heften, und haben da so manche Überraschung erlebt.

Was das Umweltzeichen kann

Beginnen wir beim staatlichen Österreichischen Umweltzeichen für Tourismusbetriebe (ÖUZ), dem bekanntesten Gütesiegel, mit dem knapp 200 Hotels ausgezeichnet sind. Sein Logo ist ein hübsches Hundertwasser-Symbol, doch beim Blick in die Kriterien wird rasch klar, so ganz das Gelbe vom Ei ist dieses Zeichen dann doch nicht.

Stichwort Ei: In der Tat kann das wohlschmeckende Frühstücksomlett aus Bodenhaltungseiern statt aus Eiern glücklicher Hühner in Bio- und Freilandhaltung zubereitet sein. Bio wird hier recht stiefmütterlich behandelt. Otto Fichtl vom Verein für Konsumenteninformation VKI, der für Vorschläge zur Erstellung und Pflege der Kriterien und Regeln zuständig ist: „Zugegeben, da könnte man nachbessern, aber wir sind ja auch keine Bio-Zertifizierungsstelle. Dafür forcieren wir Regionalität. Außerdem ist es uns ein Anliegen, 20 bis 30 Prozent der Betriebe zu erreichen, und wenn wir die Kriterien zu hoch ansetzen, springen viele ab“. Viel mehr setzt man auf eine schrittweise Erhöhung der Anforderungen, die alle vier Jahre angepasst werden.
„Die Stärke des Zeichens liegt im ganzheitlichen Aspekt, man muss in allen relevanten Bereichen – etwa Abfall, Energie, Wasserverbrauch, Reinigung, Büro, Mobilität – etwas tun“, verweist Fichtl auf ein breites Spektrum beim Umweltzeichen.

„Schade, da wäre so viel mehr drinnen“, meint dazu Klaus Kessler vom Naturhotel Chesa Valisa im Kleinwalsertal, der zu den Mitinitiatoren des ÖUZ gehört, „Als es vor vielen Jahren eingeführt wurde, hat kaum jemand von Bio gesprochen. Heute ist Bio DAS Thema, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Da besteht beim Umweltzeichen großer Nachholbedarf“. Gewachsen ist das ÖUZ aus einer Kleinwalsertaler Umweltinitiative der 1980er, die mit für damalige Verhältnisse sehr strengen Kriterien recht erfolgreich war und so ihren Weg nach Wien fand. Kessler: „So wurde unsere Idee auf nationale Ebene gehoben und mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner weiter getan“. Auch das Chesa Valisa war lange Zeit Träger, doch man hat sich weiterentwickelt und geht heute andere Wege. Tochter Magdalena Kessler, die kürzlich mit Bruder David das Haus übernommen hat: „Das Österreichische Umweltzeichen war uns irgendwann einmal nicht mehr genug. Also haben wir es gelassen und uns statt dessen den Bio Hotels angeschlossen“.

Und was ist mit Bio Hotels?

Die Bio Hotels sind jedoch kein Label sondern ein Verein, der jedoch sehr strenge Auflagen hat, so Magdalena Kessler: „Bei uns gibt‘s hundert Prozent Bio ohne Wenn und Aber. Außerdem wird großes Augenmerk auf einen möglichst niedrigen CO2-Fußabdruck gelegt. Ein fairer Preis für die WalserBuura (Die Walser Bauern) ist für uns selbstverständlich. “

„Für mich sind die Bio Hotels die einzigen in der Tourismusbranche mit klarer Aussage und strikten Kriterien“, ist Nadja Blumenkamp vom Biohotel Rupertus in Leogang ebenfalls dort angekommen, „Wir werden auch bestens unterstützt, bekommen Schulungen und Beratungen. Ich fühle mich dort wohl, als Mitglied einer Wertegemeinschaft“. Trotzdem findet sie es gut, dass es das Österreichische Umweltzeichen gibt, Blumenkamp: „Für uns war das der Einstieg und wir haben dort sehr viel gelernt. So werden wir es auch weiterhin führen“.

Sehr ähnlich ist die Einstellung von Ulrike Retter vom Hotel Retter am steirischen Pöllauberg zum staatlichen Umweltsiegel: „Der Standard ist zwar relativ einfach zu erreichen, aber es ist eine gute Basis. Ich sehe es als Einstiegsdroge ins Thema nachhaltige Tourismusqualität, auch wir haben so begonnen“.
Mittlerweile ist sie ein paar Schritte weiter, sie setzt für ihren Betrieb zusätzlich auf die Green Globe Zertifizierung, einen internationalen Standard nach den Richtlinien des GSTC (Global Sustainable Tourism Criteria). „Für den Green Globe werden wir jedes Jahr überprüft. Und das tut manchmal richtig weh, es werden nicht nur der Ist-Zustand kontrolliert sondern auch nachweisliche Verbesserungen zum Vorjahr eingefordert“, so Retter weiter, „Zudem besitzen wir die Grüne Haube, die für kontrolliert hohe, regionale, großteils Bio-Qualität beim Essen steht.“

Ökologisch gekocht

Die Grüne Haube wird vom steirischen Verein Styria vitalis an Restaurants und Hotels in ganz Österreich vergeben. Im Mittelpunkt steht hier die Küchenphilosophie: Vollwertkost, vegetarische und vegane Speisen, frisch und selbst gekocht sind hier die Hauptdarsteller. Auch biologische Zutaten sind ein Thema, allerdings ist man vom Anspruch 100 Prozent doch einigermaßen weit entfernt – es reicht, wenn Teile des Angebots aus biologischer Landwirtschaft stammen. Allerdings ist eine Biozertifizierung des Betriebes Pflicht, nur so kann man sicher sein, dass alle bio-deklarierten Lebensmittel auch tatsächlich solche sind.

Wie jetzt – wo Bio draufsteht ist doch Bio drin?!? Das mag beim täglichen Einkauf stimmen, in der Gastronomie ist das nicht so ganz sicher. Sabine Taudes von der Kontrollstelle Austria Bio Garantie erläutert: „Natürlich muss ein Produkt, das als Bio deklariert ist, auch ein solches sein. Bloß: Es wird nicht kontrolliert. Außer quasi nebenbei im Rahmen routinemäßiger Kontrollen durch die Lebensmittelbehörde“. Diese finden im Allgemeinen nur alle paar Jahre statt und selbst wenn ein Verstoß vorliegt, sind die Konsequenzen mäßig – es gibt maximal eine Anzeige beim Verwaltungsgericht wegen Konsumententäuschung nach dem Verbraucherschutzgesetz. Taudes: „Wir fordern daher einen verpflichtenden Biokontrollvertrag mit einer akkreditierten Stelle, wenn Bio auf der Speisekarte oder sonstwie ausgelobt wird. Nur so lässt sich schwarzen Schafen, die es leider gibt, das Handwerk legen.“ Es gibt dazu einen eigenen Arbeitskreis mit dem Landwirtschaftsministerium, den Bioverbänden, den Lebensmittelbehörden – und der WKO. „Alle wären dafür, nur die Sektion Gastronomie der Wirtschaftskammer legt sich bis jetzt quer“, seufzt Taudes. Die Begründung:

Die Stellungnahme von Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie der WKO: „Aus Sicht der Branche stellt der Status Quo eine sinnvolle Lösung dar, da er Betrieben ein gewisse Flexibilität bietet, saisonale Speisen in Bio Qualität in die Speisekarte aufzunehmen und diese auch entsprechend zu bewerben, ohne einen Kontrollvertrag abschließen zu müssen. Umfangreiche Kontrollpflichten hätten potenziell nachteilige Auswirkungen auf Lieferantenbeziehungen in der Region und könnten insbesondere auch für die Bio Landwirtschaft große Probleme nach sich ziehen. Viele Gastronomen werden den Preis für Bio Ware ohne die Möglichkeit einer Bewerbung nicht zahlen können (und sich auch nicht zertifizieren lassen). Das Ergebnis wäre ein Rückgang der regionalen Kooperationen, welcher der Marke Bio ziemlich sicher stärker schaden würde, als die Beibehaltung der jetzigen Rechtslage.

Eine Verschärfung der aktuellen Regeln stellt zudem eine Übererfüllung der europarechtlichen Vorgaben (gold plating) dar, die den allgemeinen Entbürokratisierungsbestrebungen diametral entgegensteht.
Insgesamt geht es bei der Thematik nicht darum „schwarze Schafe“ zu schützen! Falsche Kennzeichnung ist kein Kavaliersdelikt und wird sowohl lebensmittel-, als auch strafrechtlich geahndet. Vielmehr geht es um die größtmögliche Flexibilität im überwiegenden Interesse der Mitgliedsbetriebe des Fachverbandes.“

Biohotel ist nicht gleich Biohotel

Auch die Bezeichnung Bio im Unternehmensnamen (Biohotel, Biorestaurant) basiert auf dieser Richtlinie, hier wird die Zone nochmals ein wenig grauer. Marlies Wech von den Bio Hotels: „Was nun ein Biohotel ist, ist Auslegungssache, solange es dazu kein Gesetz gibt. Schwarzen Schafen ist da Tür und Tor geöffnet. Wir als Marke stehen für lückenlose Kontrolle vom Anbau bzw. von der Aufzucht über die Verarbeitung bis auf den Teller. Unsere Mitglieder unterwerfen sich den gleichen Kontrollmechanismen wie die Bio-Landwirtschaft“. Ausschließlich Bio in der Küche ist aber nur ein Teil der Philosophie der Bio Hotels, die darüber hinaus ebenso streng auf umweltfreundliche Energie- und Abfallkreisläufe ihrer Mitglieder achten.

Ganzheitlich Einstellung

Hundert Prozent Bio ist für uns Maxime, das ist der einzig gangbare Weg. Für uns bedeutet nachhaltig wirtschaften aber nicht nur gesundes Essen anzubieten sondern überhaupt eine ganzheitliche Einstellung in allen Belangen an den Tag zu legen. Strom- und Energiesparen, umweltschonende Wasch- und Reinigungsmittel, natürlich Baustoffe …“, erklärt Kerstin Pirker vom Kinderhotel Benjamin im kärntnerischen Maltatal resolut, „Deswegen sind wir bei den Bio Hotels, das ist der richtige Platz für uns. Was mich ärgert sind Trittbrettfahrer, etwa jene, die Biofrühstück anpreisen und dann genau einen Käse in Bioqualität anbieten.“ Womit wir wieder bei der mangelnden gesetzlichen Grundlage sind. So heißt das Fazit unserer Geschichte: Augen auf, schau genau!

EMPFEHLUNGEN
Grundsätzlich: Sind Bioprodukte auf einer Speisekarte ausgelobt bzw. wird ein Frühstück als Bio angepriesen, sind Sie nur dann auf der ganz sicheren Seite, wenn der Anbieter bei einer zertifizierten Biokontrollstelle unter Vertrag ist. Dann zeigt er Ihnen auch gerne die entsprechende Plakette mit seiner Betriebsnummer. Nähere Details finden Sie auf der Seite der Austria Bio Garantie. www.abg.at

Bezeichnet sich ein Haus als Biohotel ist Vorsicht geboten. Ist es Mitglied bei den Bio Hotels, machen Sie alles richtig – es handelt sich hierbei zwar um einen Verein, doch man ist hier sehr streng mit den Kritierien, im Vordergrund stehen Bio in der Verpflegung (kontrolliert) sowie ein möglichst geringer CO2-Fußabdruck (16 Häuser in Österreich, weitere in Deutschland, Slowenien, Italien, Griechenland und der Schweiz). Aber Achtung: Verwechseln Sie die „echten“ Bio Hotels nicht mit anderen Biohotels, die auf Google zu finden sind, und wo oft nur sehr wenig dahinter steckt.
www.biohotels.info

Grüne Hauben tragen in Österreich 34 Restaurants, ein Teil des Sortiments muss in Bioqualität angeboten werden, zudem ist ein Biokontrollvertrag verpflichtend. www.gruenehaube.at

Das internationale Label Green Globe beschränkt sich hierzulande auf sechs größere Häuser, es ist eher in der Karibik und in Asien verbreitet – die Kriterien sind allerdings streng und jährlich werden Nachbesserungen gefordert. Bio spielt jedoch auch hier nur eine untergeordnete Rolle. www.greenglobe.com

Wer es lieber bodenständig mag, ist bei Urlaub auf einem Biobauernhof gut aufgehoben – da es sich hierbei um Landwirte handelt, ist die Biokontrolle natürlich gegeben (149 Bauernhöfe).
www.urlaubambauernhof.at

Das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusbetriebe wird vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus vergeben. Rund 200 Hotels und noch einmal so viele weitere Tourismusangebote sind damit ausgezeichnet. Abhängig von der Betriebsart sind rund 50 Muss-Kriterien zu erfüllen, und dazu 100 Soll-Kriterien, die aus einem Katalog frei wählbar sind. Alle vier Jahre werden die Kriterien angepasst, entwickelt vom VKI und besprochen auf einer breiten Basis (Umweltinstitutionen auf der einen, Interessensvertreter aus der Branche auf der anderen Seite).
Sein größtes Manko, wenn man der Meinung ist, Nachhaltigkeit ohne Bio ist nicht zu machen: genau da drauf wird eher weniger Wert gelegt. Trotzdem hat das Label seine Berechtigung: Für viele Betriebe ist es der Einstieg ins Thema. Einige der Hotels, die heute in Sachen Öko die Nase vorne haben, sind hier quasi in die Lehre gegangen und auf den Geschmack gekommen.
tourismus.umweltzeichen.at

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Foto/Video: Shutterstock.

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Geschrieben von Anita Ericson

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