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Öko-Alternativen zum Skifahren

Österreich, eine Nation der Skifahrer? Nicht mehr so ganz: Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zum Pistensport. Angesichts des unbestreitbaren Klimawandels ökologisch vernünftig.

Öko-Alternativen zum Skifahren
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Wachsen! Wir müssen wachsen. Größer, weiter, höher. Dem allgemeinen wirtschaftlichen Wachstumswahn haben sich längst auch schon die Skigebiete verschrieben. 160 Pistenkilometer da, 80 dort – was liegt näher als ein Zusammenschluss, damit man wieder in der obersten Liga mitspielt? Die Verbindung erfolgt über ein paar neue Pisten auf bisher unerschlossenem Terrain, das freut die Gäste. „Der Skifahrer will das so“, ist der Tenor der Erweiterungstreiber, die auch noch das letzte Stück Alpenwildnis gerne zähmen würden – „Kein Mensch braucht 200 Kilometer oder mehr an Pisten. Das kann man in einem Urlaub ja nicht einmal abfahren“, bezweifelt Liliana Dagostin vom Österreichischen Alpenverein dieses Argument, „Es ist grotesk: Die Gästezahlen sind rückläufig und die Skigebiete werden immer gigantischer.“

Die ökologischen Bedenken gegen neue Erschließungen sind massiv: Da werden bisher weitgehend unberührte Naturräume zerschnitten und verkleinert. Störungsempfindliche und auch bedrohte Arten drängt es immer mehr an den Rand. Mit monströsen Maschinen wird das Gelände nach Plan zurechtgeschnitten und geebnet, wenn es sein muss, werden dabei auch halbe Berge weggesprengt. „Pistenplanierungen, Zufahrtstraßen, Waldrodungen und der aufwändige Bau von Beschneiungsanlagen haben in unsere Gebirgslandschaften eine Spur der Verwüstung gezogen“, sagt Raumplanerin Dagostin, „Der Bau und Betrieb der Wintersportzentren beeinflusst auch die Stabilität der Landschaft. Dies kann Hangrutschungen und Muren auslösen oder verstärken“.

Naturschnee, so schee

Fordert man also die Abschaffung der Skigebiete? So weit will man gar nicht gehen, Dagostin: „Die gibt es nun mal schon, dagegen stellen wir uns per se nicht, uns ist durchaus auch die wirtschaftliche Seite bewusst. Und viele Skigebiete machen sich sehr viel Mühe um Energieeinsparung im Winter und Pistenpflege im Sommer. Wir fordern bloß eine Endausbaugrenze – und sehen diese jetzt bereits erreicht“. Gegen eines allerdings verwehrt man sich: die großflächige Beschneiung, wie sie heute gang und gebe ist. Hundertprozentige Schneegarantie heißt das Zauberwort, ungeachtet dessen, wie winterlich es rundherum ist. Das funktioniert spätestens seit dem spürbar Werdens des Klimawandels nur mit technischer Beschneiung – die wiederum erfordert noch mehr Bauten (Speicherteiche, Pumpwerke, Zuleitungen), Energieaufwand und Eingriffe in ökologische Vorgänge. So beginnt man mit der Grundbeschneiung im November, was die natürliche Vegetationsperiode verkürzt – am Ende der Saison rinnen dafür gewaltige Mengen an Wasser über verdichtete Flächen.

Das Fazit für umweltbewusste Skigahrer kann also nur heißen: kleinere Skigebiete wählen, die zudem auf Naturschnee setzen. Aber Achtung: Die besonders schneesicheren Pisten finden sich oft auf Gletschern, die sich ökologisch besonders empfindlich zeigen. Der Skibetrieb trifft hier auf die regenerationsschwächsten und gleichzeitig an höhenzonenendemischen Arten reichsten Ökosysteme der Alpen. Die Auswahl ist also denkbar klein, wenn man bei seinem Winterurlaub Pistenspaß mit Ökologie vereinbart wissen will. Und klein sind auch die Dimensionen von nur wenigen Pistenkilometern, an die man sich erst mal (wieder) gewöhnen muss. Freilich hat das den Vorteil, dass alles deutlich entspannter, authentischer und vor allem auch leiser daherkommt als in der modernen Megaskischaukel. Sieht man es folglich als Rückzug vom Überkonsum, ist weniger plötzlich mehr.

INFO: Auswirkungen des Skifahrens
Der bayerische Landschaftsökologe Alfred Ringler hat alpenweit die ökologischen Auswirkungen von vier Jahrzehnten Skitourismus untersucht und die Studie im Frühjahr 2017 präsentiert. Ermittelt wurde der ökologische Belastungsindex von fast 1.000 größeren Skigebieten, berücksichtigt wurden u. a. Flächenumfang, beanspruchte Höhenbereiche, das Ausmaß an Planierungen, Geländeveränderungen und Erosionsflächen und der Anteil gerodeter Bergwaldfläche. Die Spitzenreiter der Landschaftsbelastung sind französische sowie österreichische Skigebiete, das Skigebiet mit dem alpenweit schlechtesten ökologischen Fußabdruck ist Sölden in Tirol.
In mehr als 100 Skigebieten wurden auf mehr als 50 Prozent der Pistenlänge unzureichende Vegetationsbedeckung, Abtrags- und Erosionsprozesse festgestellt. In Österreich wurden 29 Skigebiete als abtragsgefährdet klassifiziert, da in diesen Gebieten mehr als die Hälfte der Pistenlänge unzureichende Begrünung, Tiefenerosionsprozesse, Rutschungen oder Anbrüche aufweisen. In Skigebieten in Tirol (5) und Vorarlberg (5) wurden zudem aktive Massebewegungen, Hangrutschungen oder Erdströme von bedrohlichem Ausmaß festgestellt.
75 Prozent der bestehenden Pistenfläche in Österreich werden regelmäßig beschneit, zu diesem Zweck wurden mindestens 335 künstliche Beschneiungsspeicher errichtet. Das bedeutet nicht nur Flächen- und enormen Energieverbrauch, durch Wasserrückhalt bzw. -entnahme wird der Wasserhaushalt von Bergseen, Wildbächen oder Quellbiotopen verändert und die Lebensräume aquatischer Lebensgemeinschaften verschlechtert.

Alternative Skitouren: Der Zauber einer Winterlandschaft

In reiner Naturschneekulisse wird auch das Wintererlebnis wieder umfassend – Hand aufs Herz: Skifahren auf weißen Bändern in ansonsten nahezu aperer Landschaft ist doch nicht mal das halbe Vergnügen? Das ursprüngliche und ganzheitliche Wintererlebnis ist es auch, was immer mehr Menschen dazu veranlasst, ihr Wintervergnügen zwar auf Skiern aber eben abseits glatt gebügelter Pisten zu finden. Gerne strengt man sich dabei ordentlich an, spürt nicht nur das Prickeln der eisigen Winterluft auf der Haut sondern auch die Muskeln in seinem Körper, hört aber auch die Stille, die nur durchs Knirschen unter den Füßen unterbrochen wird: Skitouren durch märchenhaft verschneite Landschaften zu gehen verspricht unvergleichliche Wintererlebnisse für alle Sinne. Damit dieser boomende Wintersport auch naturverträglich bleibt, haben die populärsten Skitouren-Reviere Besucherlenkung mit Schutzzonen für Wald und Wild eingeführt. Einsteiger können sich in speziellen Kursen langsam ans Skitouren gehen herantasten, für alle Fortgeschrittenen empfiehlt sich ein Lawinenkunde-Workshop.

Alternative Wandern im Schnee

Wem Tiefschneeabfahrten im freien Gelände suspekt sind, der kommt beim Schneeschuhwandern zu ähnlich magischen Winter-Natur-Erlebnissen wie beim Skitouren gehen: Statt Skier schnallt man sich Schneeschuhe an und stapft so durch den tiefen Schnee. Diese Art der Fortbewegung ist uralt, schon in prähistorischen Zeiten waren die Bewohner schneereicher Landschaften so unterwegs. Obwohl man mit den großen Tellern an den Füßen weniger einsinkt als ohne, ist der Kraftaufwand für so eine Tour dennoch nicht zu unterschätzen.
Damit aus dem Vergnügen keine Gefahr wird, sollte man sich außerdem streng an die ausgearbeiteten Routen halten, die es in verschiedenen Regionen dazu gibt, respektive sich geführt auf den Weg machen. Wer es lieber gemütlich angeht: Auch beim Winterwandern auf geräumten und gut präparierten Wegen ist das winterliche Erlebnis stimmig.

Alternative Langlaufen – Gleiten durch den Winter

Retour an die Latten. Obwohl sich der Ruf schon etwas gebessert hat, haftet Langlaufen bei uns noch immer etwas von Langeweile an. Dabei ist es genau das Gegenteil – spätestens seit der Erfindung der Skating-Technik ist daraus ein rasanter Ausdauersport geworden. Aus sportmedizinischer Sicht ist Langlaufen sowieso ein profundes Ganzkörpertraining, gelenkschonend werden rund 95 Prozent der Muskeln trainiert. Es ist auf jeden Fall besser als ein Fitnessstudio: Aus eigener Muskelkraft mit hohem Tempo durch die leise Schneelandschaft gleiten, tut Körper und Seele einfach nur gut. Wer möchte, kann sich auch im Biathlon probieren, wo zudem die Konzentration und das Hineinspüren in den Körper bestens geschult werden.

Alternative Eislaufen – Am Eis unterwegs

Noch rasanter und ebenso naturverträglich gleitet man beim Eislaufen dahin. Das Eldorado für Eisläufer ist der Weißensee in Kärnten, die größte beständig zufrierende und auch präparierte Natureislauffläche Europas. Von Mitte Dezember bis Anfang März sorgt Eismeister Norbert Jank mit seinem Mitarbeiterteam für die Pflege von Eislaufrundbahnen, Eisstockbahnen und Eishockeyplätzen sowie der Bahn für Eisschnellläufer. Auf der bis zu 40 cm dicken Eisdecke begegnet man aber auch Winterwanderern und Pferdeschlitten. Auch sonst setzt man am weitgehend unverbauten Weißensee auf sanften Tourismus, Rodeln, Schneeschuh- und Skitouren gehen, Langlaufen und Biathlon ergänzen das winterliche Angebot. Die Region wurde übrigens mit dem „Europäischen Preis für Tourismus und Umwelt“ ausgezeichnet.

Zu guter Letzt noch ein Spezialtipp für alle, die sich im Sattel wohlfühlen: im Galopp durch den Tiefschnee zu pflügen, die Wärme des Pferdes unter einem und den einen oder anderen Schneestob im Nacken spüren – das hat was! Wir empfehlen dazu wärmstens die Mühlviertler Alm, die ganz weit abseits jeglichen Massentourismus steht.

INFO: Alternativen zum Skifahren
Naturschneepisten – Naturschnee-Skigebiete finden sich in Vorarlberg am Sonnenkopf (30 km), am Bödele (24 km) sowie am Diedamskopf (40 km, Funpark, 25 % beschneit). Kleiner sind in der Steiermark die Planneralm (15 km) und die Aflenzer Bürgeralm (15 km, Skitouren für Einsteiger) sowie in Salzburg der Hochkeil (10 km, Snowpark, Skitouren). Auf www.tirol.at lassen sich zwölf kleine Skigebiete herausfiltern, die weniger als 50 Prozent beschneite Pisten haben.
Skitouren, Schneeschuh- und Winterwandern – Am beliebtesten bei Skitouren-Gehern sind das Lesachtal, Johnsbach im Gesäuse, das Villgratental und Hüttschlag im Großarltal, allesamt Mitglieder der Bergsteigerdörfer sowie der Salzburger Lungau . Alle sind sie auch gute Anlaufstellen für Schneeschuh- und Winterwanderer, ebenso das Kleinwalsertal und die Fischbacher Alpen. Näheres zur Besucherlenkung auf www.bergwelt-miteinander.at.
Langlaufen – Das nordische Zentrum Österreichs ist die Ramsau, hervorragende Loipen bietet man auch am Fuschlsee, in der Olympiaregion Seefeld sowie im Böhmerwald. Sämtliche dieser Regionen bieten auch schöne Winterwanderungen.
Gleiten – Der schönste Eislaufplatz der Alpen ist der Weißensee in Kärnten.
Reiten – Reiter werden auf der Mühlviertleralm glücklich.
Tipp – Mehr Ideen für Ihren off-Pisten-Winterurlaub finden Sie auf www.austria.info, wenn Sie im Suchfeld „Tourenski“, „Schneeschuh“, „Winterwandern“, „Langlaufen“ oder „Eislaufen“ eingeben.

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Foto/Video: Shutterstock.

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Geschrieben von Anita Ericson

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