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Ist eine Bio-Kennzeichnung genug?

Hat Bio ausgedient? Brauchen wir ein neues Siegel für ganzheitlich, nachhaltig und fair produzierte Produkte? Geht es nach einem deutschen Bio-Produzenten, ist „Öko“ das bessere „Bio“.

Ist eine Bio-Kennzeichnung genug?
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„Bio allein ist nicht genug. Bio mit konventionellen Strukturen wird die Welt auch nicht besser machen. Es geht um das ökologische Denken und Handeln. Um den Blick fürs Ganze. Das ist das, was unser Handeln und Streben von Anfang an ausmacht. Wir sind öko. Öko seit 1979.“ So die Perspektive des deutschen Lebensmittelproduzenten Bohlsener Mühle. Damit könnte die Frage ganz einfach beantwortet sein: Bio ist nicht genug. Doch wofür steht Bio eigentlich? Und welche Alternativen tun sich auf? Hat Bio demnächst ausgedient?

Für „Bio“ gelten verschiedene Richtlinien. Die Mindeststandards für Bio-Lebensmittel gibt das EU-Gütesiegel vor. Die Produkte, die das Europäische Biosiegel tragen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm angebaut. Tierische Produkte stammen von Tieren, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung gehalten werden und in der Regel nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden.

Jedoch dürfen laut EU-Verordnung die Bioprodukte mit EU-Bio-Siegel fünf Prozent nicht-biologisch erzeugte Zutaten enthalten. Verschiedene Interessensvertretungen haben deshalb ihre eigenen Bio-Siegel entwickelt. Verbände wie Bioland, Demeter, Bio Austria und Co. arbeiten allesamt nach schärferen Richtlinien. „Zum Beispiel haben unsere Tiere mehr Platz als vorgeschrieben und dürfen verpflichtend auf die Weide. Außerdem haben wir als erster Bio-Verband überhaupt verbindlich festgelegt, dass alle männlichen Brüder von Bio-Legehennen aufgezogen werden. Insgesamt gehen wir in über 160 Bereichen freiwillig über die gesetzlichen Vorgaben hinaus“, erklärt Markus Leithner, Pressesprecher von Bio Austria das Siegel des Verbandes.

Was „Bio“ nicht kann

Gemeinsam haben die Bio-Siegel, dass sie nichts über die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung aussagen. Ob die Produkte unter fairen Bedingungen hergestellt werden, hat mit „Bio“ nichts zu tun. Hier kommt das Fairtrade-Siegel zum Einsatz. Dieses aber sagt wiederum nichts über die biologische Herkunft der Produkte aus. Wer beides will, muss darauf achten, dass das Produkt beide Siegel trägt. „Bio und Fairtrade sind eine überaus sinnvolle Kombination, weil sie umfassende Nachhaltigkeit in allen Dimensionen garantiert“, sagt Leithner.

Allerdings: In beiden Siegeln wird der ökologische Fußabdruck nicht berücksichtigt. Ein Manko an reinen Bio-Produkten ist zum Beispiel das Thema Verpackung. Denn viele Bio-Produkte werden nach wie vor in Plastik oder Alu verpackt. So ist zwar Bio drinnen, aber wirklich nachhaltig sind die Produkte dadurch auch nicht.

Zeit für ein neues Siegel?

Vielleicht ist es also tatsächlich an der Zeit für eine umfassendere Beschreibung von nachhaltigen Produkten? Brauchen wir ein neues Siegel? „Ethisch produziert“, wäre ein Ansatz, der alle Aspekte der Nachhaltigkeit beinhalten könnte. „Generell ist die Idee eines gemeinsamen Siegels immer wieder schön, doch die Umsetzung macht es einen doch schwer, auch aufgrund der Vielfalt. Denn wo es ein Siegel gibt, gibt es auch immer eine Reduzierung, um den gemeinsamen Nenner zu finden“, zeigt sich Saskia Lackner, Pressesprecherin der Bohlsener Mühle GmbH & Co. KG etwas skeptisch.

Auch für Markus Leithner ist ein neues Siegel nicht die Lösung: „Zusätzliche Siegel würden die Situation wohl eher nicht verbessern. Wir sind als Verband für höchstmögliche Transparenz im Bereich der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion, sowohl in Bezug auf Herkunft und Umweltauswirkungen als auch auf soziale Aspekte. In Bezug auf Zuschreibungen, wie etwa ‚ethisch produziert‘, muss man gerade in Bezug auf die Bandbreite der möglichen Interpretation darauf achten, dass es sich letztlich nicht um Worthülsen ohne konkrete, standardisierte und überprüfbare Vorgaben handelt.“

Statt auf neue Siegel, setzt man bei der Bohlsener Mühle auf Verbraucherinformation auf den Verpackungen und auf Eigenverantwortung – Und man bleibt bei der Wiederentdeckung des Ökobegriffs – immerhin war die Ökobewegung schon in den 1980er Jahren aktiv. Lackner: „Unternehmungen wie die Bohlsener Mühle können etwas verändern. Und zwar nicht, wenn sie nur ‚Bio‘ sind. Es geht auch um den Bio-Landbau, ja, aber viel mehr noch um die Gedanken, die dahinterstecken: nachhaltig zu wirtschaften und gesunde Kreisläufe zu erschaffen. Und dieses Denken und Handeln – das ist nicht bio, das ist öko!“ Bio hingegen sei zumindest „ein guter Anfang“.

Foto/Video: Shutterstock.

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Geschrieben von Karin Bornett

Freie Journalistin und Bloggerin in der Option Community. Technikaffines Labradorfrauchen mit Leidenschaft für Dorfidylle und Faible für urbane Kultur.
www.karinbornett.at

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