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EU Green Deal soll von der Atomlobby gekapert werden | GLOBAL 2000

Fotos vorm Erdbeben-Reaktor Krško in Slowenien

 Der von der Europäischen Kommission geplante Green Deal soll die EU auf den Pfad zu einem nachhaltigen und sauberen Energiesystem der Zukunft bringen, das gleichzeitig nicht schädlich für andere Bereiche ist („Do No Significant Harm“). Die Kommission beauftragte ihre Expertengruppe (Technical Experts Group), Technologien nach ihren Auswirkungen zu beurteilen und eine „Green Finance Taxonomy“ zu erstellen – der Expertenbericht empfahl 2019 den Ausschluss von Atomkraft, vor allem wegen des ungelösten Atommüll-Problems. Einige pro-nukleare Mitgliedsstaaten akzeptierten diesen Entscheid jedoch nicht – die Kommission ließ daraufhin das ebenfalls pro-nukleare Forschungszentrum Joint Research Center der EU einen weiteren Bericht ausarbeiten, der diese Experten-Empfehlung revidieren soll. Dieser 387-seitige Bericht ist nun trotz Geheimhaltung GLOBAL 2000 zugespielt worden.

„Gekonnt verschleiert und hinter bewährten Phrasen werden die wichtigsten Fragen der Atomenergie durch eine rosa Brille verzerrt dargestellt“, so Patricia Lorenz, Atom-Sprecherin von GLOBAL 2000. „Wie allgemein bekannt, ist die Entsorgung von abgebrannten Brennstäbe noch immer vollkommen ungelöst, trotz anderslautender Behauptungen einiger Lobbyisten. Auch das sogenannte Restrisiko – die schweren Unfälle wie etwa in Fukushima vor 10 Jahren – können nie ausgeschlossen werden.“

Der Bericht versucht alte Ideen als neu zu verkaufen, wie etwa, dass Sicherheits-Kriterien für neue Reaktoren angeblich auch auf alte angewendet werden sollen. Diesen Vorschlag gab es bereits als Konsequenz aus den EU-Stresstests vor 10 Jahren. Die daraus entstandenen Nachrüstungsvorschläge werden in weiten Teilen jedoch schlicht ignoriert und Reaktoren mit bekannten Schwachpunkten weiterbetrieben. Die Hauptgründe dafür sind klar und werden weiterbestehen: Alte AKW können nicht auf den heutigen technischen Stand gebracht werden und selbst umfassende Verbesserungs-Maßnahmen wären viel zu teuer für die mittlerweile, durch die aufgrund der erneuerbaren Energien, immer günstiger werdenden Strompreise. Die bestehende Sicherheitsrichtlinie der EU (2014/87/Euratom) lässt ausdrücklich sogar die Inbetriebnahme alter Reaktortypen wie etwa Mochovce 3 und 4 zu, deren Design noch aus Sowjet-Zeiten der 1970er stammt.

Gezielte Irreführung ist die Behauptung im vorliegenden Bericht, wonach Reaktoren der Generation III zur Erhöhung der Sicherheit führen würden – nicht erwähnt wird, dass noch kein einziger dieser Reaktoren in Europa überhaupt am Netz ist. Die wenigen in Bau befindlichen Reaktoren zeichnen sich durch massive technische Probleme aus, wie etwa der Europäische Druckwasserreaktor EPR in Flamanville, der erstens massiv verspätet ist, und zweitens bereits jetzt einen Reaktordruckbehälter hat, der mit viel Mühe von der Atomaufsicht wegen Mängeln nur für einen Betrieb von 10 Jahre zugelassen wurde.

Im Bericht werden Atommüll-Entsorgungskonzepte für die geplanten geologischen Tiefenlager ausführlich beschrieben. Hier wird angegeben, dass es allgemeinen Konsens gäbe, dass es sich dabei um die beste Möglichkeit der dauerhaften Einlagerung des Atommülls für eine Million Jahre handeln würde. Nicht erwähnt wird, dass diese Behauptung bereits 20 Jahre alt ist und es kaum technische und wissenschaftliche Fortschritte betreffend des Materials gibt, welches den Ansprüchen der Endlagerung von hochtoxischen und hochradioaktiven abgebrannten Brennstäben standhalten muss. Es gibt sogar neue grundlegende Bedenken, da die Korrosion bei den derzeit vorgesehenen Atommüll-Containern vollkommen unterschätzt wurde. Korrosionsprobleme sind auch bei der Endlagertechnologie (KBS(-3)) ungelöst, die derzeit in Schweden und dem als de facto als zugelassen kolportierten Endlager Onkalo in Finnland weiterhin bestehen.

„GLOBAL 2000 wird umfassend informieren und alles daran setzen, diesen Coup der Atomlobby zu verhindern“, so Lorenz abschließend. „Kein Wunder, dass dieser Bericht unter Verschluss bleiben sollte! Eine offene und sachliche Diskussion ist nötig: die Green Finance Taxonomie, als zentrale Unterstützung für die europaweiten Klimaschutz-Maßnahmen über Investitionen, darf nicht durch die Aufnahme der Atomenergie in ihrem Kern zerstört werden.“

HIER finden Sie Link zum GLOBAL 2000 Reality-Check zum JRC-Bericht.

Den Joint Research Centre Bericht finden Sie HIER.

Foto/Video: Global 2000.

Geschrieben von Option

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